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„Weißbuch Save“ vorgestellt

Das Forum Wissenschaft & Umwelt erlaubt sich auf folgende Pressemeldung von Riverwatch und EuroNatur hinzuweisen.

 ++ Chancen und Bedrohungen für einen der wertvollsten Flüsse Europas ++ Hochwasserschutz ausgearbeitet ++ Am 2. Februar ist Weltfeuchtgebietstag ++

Anlässlich des Weltfeuchtgebietstages am 2. Februar präsentierten heute die Naturschutzorganisationen Riverwatch und EuroNatur das „Weißbuch Save“, ein umfassendes Werk über einen der ökologisch wertvollsten und einen der am wenigsten bekannten Flüsse Europas.

 

Das „Weißbuch Save“ beschreibt erstmals in komprimierter Form die ökologische Bedeutung und die Bedrohungen dieses einzigartigen Flusses. Gleichzeitig werden konkret die Chancen aufgezeigt, wie der Hochwasserschutz verbessert und die Save als Lebensader erhalten werden kann. In mehr als einjähriger Arbeit wurden vom Wiener Büro FLUVIUS  in Kooperation mit der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ und dem SavaParks-Netzwerk Daten  und Fakten über die Save und ihre Zuflüsse zusammengetragen, Satellitenaufnahmen ausgewertet und Flächen berechnet. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse in einem eigenen Atlasteil in 57 Karten dargestellt. Dieses Weißbuch liefert eine Grundlage für Entscheidungen über die Zukunft der Save und ihrer Bewohner wie sie es in dieser Form noch nicht gegeben hat.

Die Save ist der längste Fluss auf dem Balkan. Auf ihrem 926 Kilometer langen Weg von den Quellen in Slowenien bis zur Mündung in die Donau bei Belgrad wird dieser Fluss von 170.000 ha Auwälder (40.500 ha Weichholz- und 141.000 ha Hartholzwälder) sowie 25.000 ha Auwiesen begleitet. Das ist einmalig in Europa. Das macht sich auch in der Artenvielfalt bemerkbar: Unter anderem nisten etwa 900 Weißstorchpaare in den Dörfern entlang der Save und mehr als 80 Seeadlerpaare brüten in den riesigen Auwäldern.

Das Weißbuch liefert konkrete Vorschläge für einen nachhaltigen Hochwasserschutz. Entlang der Save wurden 143 Flächen definiert, die sich für eine Rückverlegung der Dämme eignen. Insgesamt 185.000 Hektar ehemaliger Auwälder und -wiesen könnten so wieder in die Überflutung genommen und zusätzliche 3,1 Milliarden Kubikmeter Wasser bei einer Flut natürlich gespeichert werden. Die Hochwasserwelle würde dadurch gesenkt und verlangsamt sowie gleichzeitig die ökologische Qualität der Auen gesteigert. Nicht erst seit dem Hochwasser im Jahr 2014 ist der Hochwasserschutz das dominierende Thema entlang der Save. Die Hochwässer werden unter anderem dadurch verschärft, dass fast 80 Prozent der ehemaligen Überflutungsflächen – selbst Wälder und Wiesen – abgedämmt sind. „Anstatt ausschließlich auf technischen Hochwasserschutz mit immer mehr und immer höheren Dämmen zu setzten, sollte hier endlich ein moderner Hochwasserschutz umgesetzt werden - das heißt, mit der Natur anstatt gegen sie. Dieses Weißbuch zeigt, wie und wo es möglich ist“, sagt Ulrich Eichelmann, Koordinator der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ bei Riverwatch.

Doch neben dieser großen Chance belegt das Weißbuch auch die Gefahren für die Save. Praktisch der gesamte Flusslauf ist von Projekten bedroht, die – wenn sie realisiert werden, den Fluss samt seiner Zuflüsse zerstören. 582 Wasserkraftwerke sind im Einzugsgebiet der Save geplant, 20 davon an der Save selbst (v.a. in Slowenien), die übrigen an den Zuflüssen. Das hätte verheerende Folgen. Unter anderem sind der Oberlauf der Save sowie einige Zuflüsse wie Una, Sana und Drina das Paradies für den bis zu 1,5 Meter langen Huchen, eine global bedrohte Raubfischart. Mehr als die Hälfte des Weltbestandes kommt hier vor.  Sollten Staudämme in diesen Huchenabschnitten gebaut werden, sagen Wissenschaftler den völligen Zusammenbruch der Population voraus.

Eine weitere Bedrohung sind die enormen und oft illegalen Schotterentnahmen aus den Flüssen: Jährlich werden, den Erhebungen zufolge, etwa 950.000 Tonnen aus der Save selbst und weitere 1,29 Millionen Tonnen aus den Zuflüssen ausgebaggert, v.a. aus dem Vrbas und der Drina. Das ist das Zehnfache dessen, was die Save jährlich Richtung Donau transportiert. Die Folgen sind gravierend: die Flüsse tiefen sich ein, der Grundwasserspiegel sinkt, Schutzbauwerke können zusammenbrechen und die Hochwassergefahr wird sich flussabwärts der Entnahmestellen verschärfen.

 „Die Save steht an einem Scheideweg. Wir haben die Chance und das Wissen diese Lebensader zu erhalten und gleichzeitig  den Hochwasserschutz zu verbessern. Wir müssen dieses Wissen nur umsetzen“, sagt Theresa Schiller, Koordinatorin der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ bei EuroNatur.

 

Hintergrundinformationen:

Alle Kampagnen-Studien sind hier zu finden: http://balkanrivers.net/de/content/studien

  • Bildmaterial: Das beigefügte Bildmaterial können Sie in Verbindung mit dieser Pressemitteilung unter Angabe der Bildautoren gerne einmalig kostenfrei verwenden. Auf Anfrage in Druckqualität erhältlich.


 
Rückfragen:
Ulrich Eichelmann – Riverwatch: ulrich.eichelmann@riverwatch.eu  +43 676 6621512
Katharina Grund – EuroNatur: katharina.grund@euronatur.org  + 49 7732 92 72-10 (Pressekontakt)